Sangermann verursacht Herzrasen in Weltringhausen

Im Nachhinein hätte man viele Geschichten erzählen können. Zum Beispiel die vom ersten blauweißen Dreier nach zuvor elf sieglosen Spielen, die vom so wichtigen Big Point im Kampf um den Klassenerhalt oder vielleicht auch die von der Rückkehr des lange Zeit abhanden gekommenen LWLschen Spektakel-Fußballs. Einer sorgte aber dafür, dass im Ebbestadion über etwas ganz anderes gesprochen wurde und wohl noch lange gesprochen wird. Und der stand noch fast eine Stunde nach Abpfiff in der Mixed Zone, als seine Teamkollegen sich unter der Dusche schon gedanklich auf die Herzrasen-Party vorbereiteten. Keine große Überraschung. Eine Gala wie diese will erklärt werden.

Drei Tore und einen Assist in etwas mehr als einer Halbzeit. Wie hatte er das gemacht? Woher kommt diese Leistungsexplosion? Hatte er schonmal einen ähnlichen Tag in seiner Karriere? Alles Fragen der wissbegierigen Journalisten, auf die René Sangermann keine plausible Erklärung hatte. Musste er aber auch nicht unbedingt. Denn auf dem Platz hatte er zuvor ja eigentlich schon alles hinreichend beantwortet. Die 57 Minuten, die er dort verbrachte, verkamen zu einem einzigen Statement. „Ich spiele schon lange Fußball, aber so etwas habe ich im Amateur-Bereich noch nie gesehen“, rieb sich sogar der erfahrene LWL-Teilzeit-Kettenhund Manuel Kolisch verwundert die Augen. Ein Wunder war die Leistung von René Sangermann sicherlich nicht. Dafür hatte er schon oft genug die Kohlen aus dem Feuer geholt. Man erinnere sich nur an das Märchen von Heggen. Allein die Frequenz seiner Gala-Vorstellungen ist angesichts seines mittlerweile fortgeschrittenen Fußballalters ein wenig überschaubarer geworden. Und so wird sich auch sein Trainer Dawid Jaworski kurz vor seiner Einwechslung gefragt haben, ob er wohl immer noch in der Lage ist, beim Stand von 0:1 Platzhirsch Sebastian Arens adäquat zu ersetzen.

Antwort: Yes, he can! Und wie! „Wenn René auf dem Platz steht, weiß man einfach, dass immer irgendetwas Besonderes passieren kann“, sagt Abwehrrecke Max Humberg. Was an diesem Tag auch so war. Das 1:1 von Marlon Klein sollte der Startschuss für die vier Episoden der Sangermann-Serie sein.

Folge 1: Der butterweiche Schlenzer ins lange Eck zum 2:1. Folge 2: Der Zuckerpass zum 3:1. Folge 3: Der Bilderbuch-Kopfball zum 4:2. Und last but not least. Das fast schon epische Serienfinale: Der Buzzerbeater von der Mittellinie zum 6:3. „Ich freue mich schon auf die Fortsetzung in der zweiten Staffel“, resümierte Dennis Busenius, der ein bisschen Pech hatte, dass sein Doppelpack nur zur Nebenhandlung geriet, mit einem Schmunzeln. Der Status des Co-Stars dürfte ihm ziemlich egal sein. Denn auch wenn die Sangermann-Serie für Weisstal sicherlich ins Genre der Dramen fällt, war es für den LWL ein Thriller mit Happy End. Eins, das hinterher alle zufrieden zur Party gehen ließ – wobei die eigentliche Party zu diesem Zeitpunkt ja schon stattgefunden hatte. Und die hatte einen Namen: René Sangermann.